A-Team Standard:
Eine Deutsche Meisterschaft zum Genießen

"...aber glücklich" - mit diesem gemeinsamen Schlachtspruch motivierte sich das Standard A-Team in den letzten Sekunden vor seinem Auftritt am 11.11.2000. Nicht irgendein Auftritt sollte es werden, immerhin war auch die Veranstaltung nicht irgendeine.

Die Darbietung der neuen Choreographie (von Trainer Volkmar Heinz) auf der lang ersehnten und hart erkämpften Deutschen Meisterschaft, die in der ausverkauften Bremerhavener Stadthalle ausgerichtet wurde, mußte schon etwas besonderes sein: Fehlerlos, überzeugend, tänzerisch akkurat und nicht zuletzt mitreißend. Mit der neu erarbeiteten Choreographie zum Thema "Circus", mit dem Berlin im vergangenen Jahr Deutscher Meister wurde, mit aufreizenden Kleidern, die eine große Resonanz bei den Zuschauern hervorrief, waren die Voraussetzungen für eine gelungene Show bestens.

Trotz dieser an sich hervorragenden Rahmenbedingungen tanzt das Team ja nicht jeden Tag vor 3000 überwiegend fachkundigen Zuschauern eine Deutsche Meisterschaft. So mußten natürlich vor allem auch die Nerven der Tänzer mitspielen. Gleich vorab, die Nerven hielten dem immensen Druck sichtlich stand.

Ihre Standhaftigkeit bewies auch Victoria Heinz, die mit ihrer kleinen Hommage an den Bundesligasieger Braunschweig ein Raunen im Publikum hervorrief: Vicky verlor, wie bereits auf der letzten DM eine Braunschweiger Dame, relativ zu Beginn der Kür einen Tanzschuh. Sie tanzte jedoch unbeirrt weiter und ließ sich das Maleur nicht anmerken.

Überhaupt merkte man der Formation des TC Inn-Casino Wasserburg nur eines an: Sie wollten begeistern. Dies gelang dann auch schon früher als geplant. Kaum aus der Umkleide wurden die Wasserburger Damen mit großen Augen und zum Teil offenen Mündern begutachtet. Eine hervorragende Optik gelang Daniel Fendler, Gaby Reuter und Ludwig Stürmer mit ihrer Umsetzung einer Idee von Erika Heinz.

Neue Kleider, die zwar rein aufs Thema "Circus" angelegt waren, aber auch die aktuelle Mode widerspiegeln, sorgten von Anfang an für Furore. Die Damen präsentierten schwarze Kleider, die über und über mit Kristallen besetzt sind. Am nicht zu knapp bemessenen Ausschnitt, der augenscheinlich tief blicken ließ, bildeten die in den schillerndsten Farben leuchtenden Flammen einen optimalen Kontrast. Dazu ein perfektes Make-up, das in der Standardsektion outstanding war. Ein weiteres Highlight setzten die Wasserburger mit einem optischen Novum: Alle acht Damen erstrahlten in platinblond. Insgesamt also perfekt, innovativ und extravagant, aber eines besonders: außerordentlich ästhetisch.

Doch nicht nur die Optik, die das Wertungsgericht übrigens nicht in seine Bewertung miteinfließen lassen darf, zeugten davon, daß das A-Team des TC Inn-Casino Wasserburg sich zurecht einen Platz unter den besten acht deutschen Formationen ergattert hat.

Bereits mit den ersten Takten der Musik versetzte das Wasserburger Team das Publikum in Staunen. Jeweils auf Schlag thronten vier Damen auf den Schultern der Herren und luden das Publikum zur nun folgenden Zirkusvorstellung ein, die sich von Anfang an akrobatisch zeigte. Ein Herrenroundabout mit Bodenwischer, diese Figur kommt eigentlich aus der Lateinsektion und erfordert enorme Körperbeherrschung, brachte die Zuschauer zum toben. Ab diesem Moment wußte das Team, daß nun nicht mehr viel schiefgehen konnte.

Das Publikum schon auf seiner Seite gelang den Paaren auch der beste Durchgang, den sie jemals gezeigt haben. Die Tangoreihe, die mit tänzerischen Höchstschwierigkeiten gespickt ist, wurde außerordentlich präzise dargeboten. Die schon aus der Choreographie "High Society" bekannte Quickstepschlange war gewohnt spritzig, ebenso der als Gag eingebaute Charleston. Im Langsamen Walzer dagegen schwebten die Paare über das Parkett. Trotz alledem gelang es den Tänzern nicht, sich für die Zwischenrunde zu qualifizieren.

Man mag sich streiten aus welchem Grund, an dieser Stelle sollte aber erwähnt sein, daß es in den letzten Jahren keinem Aufsteiger gelang, sich über die Vorrunde hinweg auf eine bessere Plazierung zu tanzen. Viele aufmunternde Worte erhielt das Team aus den Reihen der Fans, aber auch von der hochkarätigen Konkurrenz. Selten wäre ein Aufsteiger derart positiv aufgefallen wie das Wasserburger Team.

 Die Berliner Trainerin Ariane Schiessler, die dieses Jahr sowohl Welt- als auch Vizeweltmeisterin mit ihren Standardformationen wurde, hätte das Team in der Zwischenrunde gesehen und stellte den Wasserburgern mit diszipliniertem und weiter hartem Training bis zum 1. Turnier der 1. Bundesliga am 06.01.2001 einen Platz unter den fünf besten Teams der Republik in Aussicht. Das Team zeigte sich also keineswegs enttäuscht und hielt sich an die Worte von Petra Heiduck, der Trainerin des TSC Schwarz-Gelb Aachen: "Die erste Deutsche Meisterschaft ist zum Genießen da!"